vollbesteuert
Örtliche Aufwandsteuer

Jagd- und Fischereisteuer: Kommunale Abgabe auf Jagd- und Fischereirechte

Jagd- und Fischereisteuer in Deutschland

Die Jagdsteuer und Fischereisteuer sind örtliche Aufwandsteuern der Gemeinden auf das Recht zur Jagd bzw. zur Fischerei. Sie gehören zu den kleinsten und ältesten Steuern Deutschlands — und werden längst nicht mehr überall erhoben. Viele Gemeinden haben diese Steuern abgeschafft, weil der Verwaltungsaufwand das Aufkommen übersteigt.

Was wird besteuert?

Jagdsteuer: Besteuert wird das Recht zur Jagd — also der Wert des Jagdscheins oder der Jagdpacht. Bemessungsgrundlage ist je nach Gemeinde:

  • Der Jagdpachtzins (üblicherweise 10–20 % des jährlichen Pachtzinses)
  • Pauschalbeträge je Jagdrevier

Fischereisteuer: Erhebt eine Steuer auf Angelscheine, Fischwasser-Pachtverträge oder Fischereirechte. Sehr selten noch erhoben.

Verbreitung 2025

Die Jagdsteuer wird noch in einigen Bundesländern erhoben, vor allem in:

  • Bayern: Gemeinden können sie erheben, viele tun es
  • Baden-Württemberg: optional
  • Hessen: teilweise

In anderen Bundesländern (z.B. Berlin, Hamburg, Sachsen) ist die Jagdsteuer abgeschafft oder nie eingeführt worden. Die Fischereisteuer ist praktisch bundesweit bedeutungslos.

Beispiel: Jagdsteuer Bayern

Typischer Satz: ca. 10 % des Jagdpachtzinses.

Ein Jagdrevier mit einem Jahrespachtzins von 5.000 € → Jagdsteuer: 500 €/Jahr.

Der Jäger zahlt die Steuer an die Gemeinde, in deren Gebiet das Revier liegt.

Kritik und Abschaffungsdebatten

Gegner der Jagdsteuer argumentieren, dass die Jagd nützliche Funktionen erfüllt (Wildbestandsregulierung, Forstschutz) und daher nicht zusätzlich belastet werden sollte. In vielen Gemeinden wurde die Steuer aus pragmatischen Gründen abgeschafft: Der bürokratische Aufwand der Erhebung lohnt bei geringen Aufkommen schlicht nicht.

Für die Fischereisteuer gilt dasselbe — sie ist heute steuerrechtlich ein Fossil ohne praktische Bedeutung.

Geschichte

Die Jagd- und Fischereisteuer stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Jagd- und Fischereirechte noch erhebliche Vermögenspositionen und Privilegien darstellten. Ursprünglich dienten sie auch als Instrument, um adelige Jagdprivilegien steuerlich zu erfassen. Mit der Demokratisierung des Jagdrechts im 20. Jahrhundert verloren sie ihre sozialpolitische Funktion.

Aufkommensdaten: Destatis, Kassenstatistik 2025 (vorläufig).