Eine Packung Zigaretten kostet heute im Schnitt etwa 8 €. Ab Januar 2027 wird es jedes Jahr mehr: Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, die Tabaksteuer vier Jahre in Folge anzuheben, für Zigaretten, Tabak zum Selbstdrehen, Liquids, Tabakerhitzer, Zigarren und Wasserpfeifentabak.
Seitdem kursieren sehr unterschiedliche Zahlen: 8,77 € für 2027 in der einen Meldung, 9,10 € in der anderen, 11,36 € oder 11,78 € für 2030, und „bis zu 14 €". Keine davon ist falsch erfunden. Sie stammen aber aus unterschiedlichen Fassungen des Gesetzes und messen unterschiedliche Dinge. Dieser Artikel sortiert sie — und rechnet mit den Sätzen, die tatsächlich beschlossen wurden.
Was hat der Bundestag beschlossen?
Grundlage ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Juli 2026 (Drucksache 21/7859). Die Koalitionsfraktionen haben die Steuersätze im Finanzausschuss noch einmal deutlich angehoben (Beschlussempfehlung, Drucksache 21/8605), damit 2027 rund 750 Mio. € mehr hereinkommen als ursprünglich geplant. In dieser Fassung hat der Bundestag das Gesetz verabschiedet.
Für Zigaretten setzt sich die Steuer wie bisher aus einem Betrag je Stück und einem Prozentsatz vom Packungspreis zusammen, dazu eine Mindeststeuer als Untergrenze:
| Jahr | Betrag je Zigarette | Anteil am Preis | Mindeststeuer je Zigarette* | zum Vergleich: Regierungsentwurf |
|---|---|---|---|---|
| 2026 (geltendes Recht) | 12,28 Ct | 19,84 % | 25,106 Ct | — |
| 2027 | 14,34 Ct | 21,05 % | 29,492 Ct | 13,44 Ct + 20 % |
| 2028 | 15,63 Ct | 21,05 % | 32,146 Ct | 14,65 Ct + 20 % |
| 2029 | 17,04 Ct | 21,05 % | 35,042 Ct | 15,97 Ct + 20 % |
| 2030 | 18,57 Ct | 21,05 % | 38,192 Ct | 17,41 Ct + 20 % |
* abzüglich der Umsatzsteuer des Packungspreises — die Mindeststeuer ist also eine Untergrenze für Tabaksteuer und Umsatzsteuer zusammen.
Wer im Netz liest, die Steuer betrage 2027 „29,49 Cent je Zigarette", hat die Mindeststeuer mit der regulären Steuer verwechselt. Bei einer Packung für 8 € liegt die reguläre Tabaksteuer 2027 bei rund 22,8 Cent je Stück.
Das Gesetz ist ein Einspruchsgesetz: Der Bundesrat kann es nicht blockieren, sondern nur Einspruch einlegen, den der Bundestag überstimmen kann. Ein Einspruch gilt als unwahrscheinlich, die Befassung stand zum Redaktionsschluss noch aus.
Wie teuer wird eine Packung Zigaretten 2027?
Die Antwort hängt davon ab, welche Zahl man meint. Die vier, die gerade zitiert werden, messen Verschiedenes:
| Zahl für 2027 / 2030 | Was sie ist | Quelle |
|---|---|---|
| 8,77 € / 11,36 € | Prognose des gewichteten Durchschnittspreises im Regierungsentwurf — noch mit den niedrigeren Sätzen vor der Änderung im Ausschuss, aber inklusive erwarteter allgemeiner Preiserhöhungen | Drucksache 21/7859 |
| rund 9,20 € / knapp 12 € | dieselbe Prognose, umgerechnet auf die beschlossenen höheren Sätze | eigene Rechnung |
| 9,10 € / 11,78 € | Schätzung, die nach der Abstimmung durch die Medien ging; Rechenweg nicht veröffentlicht | Presseberichte |
| 8,81 € / 10,32 € | eine Packung, die heute 8,00 € kostet, wenn nur die Steuererhöhung weitergegeben wird | eigene Rechnung |
Die erste und die letzte Zeile liegen auseinander, weil der Bund in seiner Prognose unterstellt, dass Hersteller ihre eigenen Preise zusätzlich anheben. Die letzte Zeile zeigt dagegen den reinen Steuereffekt. Beide sind sinnvoll, beantworten aber verschiedene Fragen: „Was wird eine Packung im Schnitt kosten?" gegen „Wie viel davon geht auf die Steuer zurück?".
Eine neue amtliche Preisprognose für die beschlossene Fassung hat der Bund nicht veröffentlicht. Die Bundestagsverwaltung nennt in ihrem Bericht zur Abstimmung weiterhin die Werte des Regierungsentwurfs. Unsere Umrechnung hält die Annahmen des Entwurfs fest und tauscht nur die Steuersätze aus.
Die oft zitierten 14 € für 2030 beziehen sich auf teure Markenzigaretten, nicht auf den Durchschnitt.
Rechner: Was kostet deine Packung bis 2030?
🚬 Zigarettenpreis-Rechner 2027–2030
Was kostet deine Packung, wenn die Steuererhöhung voll weitergegeben wird?
| Jahr | Preis | davon Tabaksteuer | Mehrkosten / Jahr |
|---|---|---|---|
| 2026(heute) | 8,00 € | 4,04 € | — |
| 2027 | 8,81 € | 4,72 € | +210,04 € |
| 2028 | 9,22 € | 5,07 € | +316,54 € |
| 2029 | 9,69 € | 5,46 €* | +438,85 € |
| 2030 | 10,32 € | 5,99 €* | +602,65 € |
2030 gegenüber heute bei 5 Packungen pro Woche
+602,65 € im Jahr
Annahme: Hersteller und Handel geben nur die Steuererhöhung samt Umsatzsteuer weiter, ihr eigener Anteil am Preis bleibt in Euro gleich. Allgemeine Preiserhöhungen sind nicht enthalten — tatsächliche Preise dürften deshalb eher höher liegen. Der Bund rechnet im Regierungsentwurf zusätzlich mit steigenden Herstellerpreisen.
* Mindeststeuer greift: Für günstige Packungen gilt eine feste Untergrenze für Tabak- und Umsatzsteuer zusammen (2027: 5,90 €, 2030: 7,64 € je Packung).
Sätze: § 2 Abs. 1 Nr. 1 TabStG in der Fassung der Beschlussempfehlung des Finanzausschusses (BT-Drs. 21/8605), vom Bundestag am 15.10.2026 beschlossen. 2026: geltendes Recht.
Der Rechner zeigt den reinen Steuereffekt. Er unterstellt, dass Hersteller und Handel ihren Anteil am Preis in Euro konstant halten und die Steuererhöhung samt Umsatzsteuer vollständig weitergeben. Ob sie das tun, entscheiden sie selbst. Die Prognose des Bundes geht davon aus, dass die Preise stärker steigen als der reine Steueraufschlag.
Warum Billigmarken stärker teurer werden
Der Aufschlag in Euro ist bei allen Preislagen ähnlich, bis 2030 rund 2,20 bis 2,60 € pro Packung. Prozentual trifft er günstige Zigaretten aber deutlich härter:
| Packung heute | 2027 | 2030 | Anstieg bis 2030 |
|---|---|---|---|
| 6,00 € | 6,88 € | 8,62 € | +44 % |
| 8,00 € | 8,81 € | 10,32 € | +29 % |
| 10,00 € | 10,85 € | 12,19 € | +22 % |
| 12,00 € | 12,88 € | 14,23 € | +19 % |
Reiner Steuereffekt bei voller Weitergabe, eigene Rechnung mit den beschlossenen Sätzen.
Der Grund ist die Mindeststeuer. Sie legt fest, wie viel Tabak- und Umsatzsteuer eine Packung mindestens tragen muss: 2026 sind das 5,02 €, 2027 schon 5,90 € und 2030 dann 7,64 €. Dazu kommen die Kosten von Hersteller und Handel. Eine Packung unter etwa 8 € dürfte es 2030 deshalb kaum noch geben.
Gleichzeitig rückt die Mindeststeuer in den Massenmarkt vor. Heute greift sie nur bei Packungen unter etwa 7,20 €. Bis 2030 steigt diese Schwelle auf rund 10,60 € — wer weniger zahlt, zahlt dann den Mindestbetrag statt der regulären Steuer. Das ist gewollt: Die Erhöhung soll gerade die günstigen Einstiegsprodukte treffen, auf die junge Raucher häufig ausweichen.
Die Kehrseite: Weil Raucher mit niedrigem Einkommen überdurchschnittlich oft zu günstigen Marken greifen, wirkt die Erhöhung in dieser Gruppe am stärksten. Wer zu einer Packung pro Tag greift und heute 6 € zahlt, trägt 2030 bei voller Weitergabe rund 950 € im Jahr mehr.
Was ändert sich bei Tabak, Liquids und Tabakerhitzern?
| Produkt | 2026 | 2027 | 2030 | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Feinschnitt (Drehtabak) | 61,58 €/kg + 17,40 % | 75,80 €/kg + 17,97 % | 121,71 €/kg + 17,97 % | ab 1.1.2027 |
| Liquids (E-Zigarette) | 0,32 €/ml | 0,38 €/ml | 0,44 €/ml | 2028: 0,40, 2029: 0,42 |
| Tabakerhitzer | 80 % der Zigarettenbelastung | wie bisher an Zigaretten gekoppelt | steigt automatisch mit | |
| Zigarren, Zigarillos | 1,4 Ct + 1,47 % | 2,14 Ct + 3,83 % | 2,85 Ct + 3,83 % | ab 1.3.2027; 2028: 2,35 Ct, 2029: 2,59 Ct |
| Pfeifentabak | 15,66 €/kg + 13,13 % | 21,11 €/kg + 14,83 % | 41,23 €/kg + 14,83 % | ab 1.3.2027; 2028: 26,39 €/kg, 2029: 32,99 €/kg |
| Wasserpfeifentabak | Pfeifentabak + 23 €/kg | Pfeifentabak (neu) + 23 €/kg | Zusatzsteuer unverändert |
Für eine 30-g-Packung Feinschnitt rechnete der Regierungsentwurf mit einem Durchschnittspreis von 7,63 € im Jahr 2027 und 11,01 € im Jahr 2030. Die Sätze für Feinschnitt hat der Ausschuss nur leicht verändert; die Prognose dürfte daher näherungsweise gelten.
Bei Liquids hat der Bundestag am stärksten nachgelegt: statt 33 bis 36 Cent je Milliliter wie im Regierungsentwurf jetzt 38 bis 44 Cent. Die Koalition begründet das damit, dass Liquids häufig ein Einstiegsprodukt für Jugendliche seien. Ein 10-ml-Fläschchen trägt 2030 damit 4,40 € Tabaksteuer, heute sind es 3,20 €.
Bei Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak hat der Ausschuss dagegen „Belastungsspitzen" zurückgenommen, die der Regierungsentwurf vorgesehen hatte, und den Start auf den 1. März 2027 verschoben — wegen der großen Zahl unterschiedlicher Preise in diesem Segment, deren Steuerzeichen umgestellt werden müssen.
Wie viel bringt die Erhöhung dem Staat?
Die Tabaksteuer brachte 2025 17,6 Mrd. €. Ohne Gesetzesänderung erwartete die Steuerschätzung für die kommenden Jahre leicht sinkende Einnahmen, weil weniger geraucht wird. Mit der Erhöhung rechnet der Bund mit diesen Mehreinnahmen:
| Jahr | Regierungsentwurf | beschlossene Fassung |
|---|---|---|
| 2027 | 756 Mio. € | 1.507 Mio. € |
| 2028 | 1.595 Mio. € | 2.437 Mio. € |
| 2029 | 2.548 Mio. € | 3.419 Mio. € |
| 2030 | 3.589 Mio. € | 4.461 Mio. € |
Das Geld fließt vollständig an den Bund. Ein ausdrückliches Ziel ist die Konsolidierung des Haushalts 2027 — die Erhöhung gehört zum selben Paket wie die geplante Zuckersteuer, die Plastiksteuer und höhere Alkoholsteuern (Überblick: Steuerpläne ab 2027).
Was spricht für die Erhöhung?
Gesundheit, vor allem bei Jugendlichen. Der Preis ist einer der am besten belegten Hebel gegen den Einstieg ins Rauchen: Jugendliche haben wenig Geld und reagieren stärker auf Preise als langjährige Raucher. Die Koalition setzt deshalb gezielt bei Liquids und günstigen Einstiegsprodukten an.
Deutschland liegt unter seinen Nachbarn. Belgien, Dänemark, Frankreich und die Niederlande haben ihre Tabaksteuern in den letzten Jahren deutlich erhöht, Deutschland nur moderat; zwischen 2016 und 2021 gab es gar keine regulären Erhöhungen.
Planbarkeit. Vier kleinere Schritte statt eines großen Sprungs sollen Hamsterkäufe, Grenzhandel und den Schwarzmarkt weniger attraktiv machen. Die Bundesregierung hat eine einmalige große Erhöhung ausdrücklich verworfen.
Was spricht dagegen?
Schmuggel und Schwarzmarkt. Der gewichtigste Einwand kommt nicht nur aus der Tabakwirtschaft, sondern auch von der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft: Dem Zoll fehle das Personal, um den legalen Markt zu schützen. Die Koalition räumt die Gefahr in ihrer Begründung selbst ein. Die AfD verwies im Finanzausschuss auf die Jahre 2002 bis 2005, als mehrere Erhöhungen deutlich weniger einbrachten als vom Finanzministerium erwartet. Ab wann höhere Sätze weniger statt mehr Geld bringen, behandelt unser Artikel zur Laffer-Kurve.
Regressive Wirkung. Raucher mit geringem Einkommen geben einen größeren Teil ihres Budgets für Tabak aus und greifen häufiger zu günstigen Marken, die prozentual am stärksten steigen. Wer nicht aufhört, trägt die Last — und das sind überproportional Menschen mit wenig Geld.
Ausweichen statt aufhören. Feinschnitt bleibt deutlich günstiger besteuert als Fabrikzigaretten. Die Grünen verweisen auf Sachverständige aus der Anhörung, die hier eine weiterhin große Lücke sehen, obwohl die Gesundheitsrisiken vergleichbar sind. Wer spart, wechselt eher zum Drehtabak, als ganz aufzuhören.
Was dieser Artikel nicht sagt
Die Preise im Rechner und in den Tabellen sind keine Prognose, was Zigaretten 2030 im Laden kosten werden. Sie zeigen, wie viel des Preises auf die Steuer zurückgeht. Die tatsächlichen Preise setzen Hersteller und Handel; der Bund rechnet in seiner Prognose damit, dass sie stärker steigen als der reine Steueraufschlag.
Ob die Erhöhung die Raucherquote senkt oder vor allem den Schwarzmarkt stärkt, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen. Beides ist bei früheren Erhöhungen in Deutschland und Nachbarländern beobachtet worden; welcher Effekt überwiegt, hängt stark davon ab, wie konsequent der Zoll kontrolliert.
Kurz zusammengefasst
- Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, die Tabaksteuer von 2027 bis 2030 jährlich anzuheben. Für Zigaretten gilt 2027: 14,34 Ct je Stück + 21,05 % des Preises, bis 2030 steigt der Stückbetrag auf 18,57 Ct.
- 8,77 € (2027) und 11,36 € (2030) sind Prognosen des Regierungsentwurfs mit den niedrigeren ursprünglichen Sätzen. Mit den beschlossenen Sätzen sind es rechnerisch rund 9,20 € und knapp 12 €.
- Allein durch die Steuer wird eine 8-€-Packung bis 2030 um gut 2,30 € teurer, eine 6-€-Packung um gut 2,60 € (+44 %).
- Die Mindeststeuer für Tabak- und Umsatzsteuer zusammen steigt von 5,02 € auf 7,64 € je Packung; sie greift 2030 schon unterhalb von etwa 10,60 €.
- Liquids: 0,38 €/ml (2027) bis 0,44 €/ml (2030). Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak bekommen neue Sätze erst ab 1. März 2027.
- Der Bund erwartet 1,5 Mrd. € Mehreinnahmen 2027 und rund 4,5 Mrd. € im Jahr 2030.
- Dafür: Jugendschutz, Anschluss an Nachbarländer, planbare Schritte. Dagegen: Schwarzmarktrisiko, regressive Wirkung, Ausweichen auf Drehtabak.
Quellen: Gesetzentwurf der Bundesregierung, Drucksache 21/7859 (Tarife, Preisprognosen und Steuerschätzung des Regierungsentwurfs) · Beschlussempfehlung des Finanzausschusses, Drucksache 21/8605 (beschlossene Tarife, Mehreinnahmen, Positionen der Fraktionen) · Deutscher Bundestag: Abstimmung über Erhöhung der Tabaksteuer (15.10.2026) · hib: Tabaksteuer wird erhöht · ZDF: Höhere Tabaksteuer beschlossen · t-online: Zigaretten kosten bald fast doppelt so viel. Sätze 2026: § 2 TabStG. Preise bei voller Weitergabe, Mindeststeuer-Schwellen und Umrechnung der Preisprognose: eigene Berechnung mit den Sätzen der Drucksache 21/8605; der Rechenweg ist so gewählt, dass er die Steueranteile des Regierungsentwurfs (4,44 € bei 8,77 €, 5,75 € bei 11,36 €) exakt reproduziert.
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