Die Steuererklärung ist in Deutschland für die meisten Angestellten freiwillig – aber sie lohnt sich fast immer, weil der Fiskus im Schnitt mehrere Hundert Euro zurückzahlt. Wer sie nicht dem Steuerberater überlassen will (siehe dazu was ein Steuerberater kostet), hat zwei Wege: das kostenlose Finanzamts-Portal ELSTER oder eine der kommerziellen Steuersoftwares, die dieselben Formulare in eine geführte Befragung übersetzen. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Anbieter danach ein, was für dich als Nutzer zählt – nicht danach, wer die höchste Provision zahlt.
ELSTER: die kostenlose Basis, aber ohne Assistenz
ELSTER ist die offizielle Software der deutschen Finanzverwaltung und komplett kostenlos. Jede kommerzielle Steuersoftware baut technisch darauf auf: Die Daten werden am Ende über die ELSTER-Schnittstelle ans Finanzamt übermittelt, ganz gleich, welches Programm du nutzenswert findest.
Der Haken: ELSTER bildet die amtlichen Formulare weitgehend eins zu eins ab. Es gibt kaum Alltagssprache, keine Interview-Führung durch persönliche Fragen und nur eine technische Plausibilitätsprüfung (fehlende Pflichtfelder, offensichtliche Formatfehler) statt inhaltlicher Hinweise wie „diese Position hast du vergangenes Jahr genutzt, dieses Jahr fehlt sie". Wer die Fachbegriffe kennt und weiß, was er absetzen darf, kommt damit weit und zahlt nichts. Wer das nicht weiß, findet in ELSTER wenig Hilfestellung dabei, das herauszufinden – und genau diese Lücke füllen die kommerziellen Anbieter.
Woran sich Steuersoftware wirklich unterscheidet
Bevor die einzelnen Anbieter im Detail: fünf Kriterien, an denen sich die Auswahl in der Praxis entscheidet.
Komplexität der abgedeckten Fälle. Manche Tools sind bewusst auf den Standardfall Angestellte(r) mit Werbungskosten zugeschnitten und schließen Vermietung, Kapitalerträge oder Gewerbe aus oder verlangen dafür ein teureres Paket. Wer Photovoltaik auf dem Dach hat, eine Wohnung vermietet oder nebenberuflich selbstständig ist, sollte das vor dem Kauf prüfen – nichts ist ärgerlicher, als nach der Hälfte der Eingabe an eine fehlende Funktion zu stoßen.
Nutzerführung. Die drei verbreiteten Konzepte sind das klassische Interview (Frage-für-Frage-Dialog, wie bei einem Beratungsgespräch), die Formularansicht (näher an ELSTER, schneller für Erfahrene) und der Chat-Assistent (Konversation statt Formular). Keines ist objektiv besser – aber wer schon mehrere Steuererklärungen gemacht hat, verliert im Interview-Modus oft Zeit mit Fragen, die er längst beantworten könnte.
Funktionsumfang jenseits des Ausfüllens. Belegerkennung per Foto, automatische Übernahme der Vorjahresdaten, eine inhaltliche Plausibilitätsprüfung (nicht nur formal), eine laufende Hochrechnung der zu erwartenden Erstattung und die Möglichkeit, auch rückwirkend Erklärungen für die letzten vier Jahre einzureichen, sind die Funktionen, die den Alltag am stärksten erleichtern.
Preis und Zahlungsmodell. Fast alle Anbieter arbeiten nach dem Prinzip „ausfüllen kostenlos, zahlen erst bei Übermittlung ans Finanzamt" – du kannst also testen, bevor du bezahlst. Wichtig ist trotzdem der Blick auf das Kleingedruckte: Gilt der Preis pro Steuerjahr oder pro Person, und was kostet ein zweites Steuerjahr oder eine zweite Person in der Steuererklärung dazu?
Datenschutz und Support. Steuerdaten sind besonders sensible Daten. Serverstandort Deutschland/EU, eine TÜV- oder BSI-Prüfung und ein erreichbarer Support (Chat, E-Mail, im besten Fall Rückfragen an echte Steuerexperten) sind bei allen etablierten Anbietern inzwischen Standard – lohnt sich aber, im Einzelfall zu verifizieren, gerade bei neueren Apps.
Alle Preise in diesem Artikel sind Anhaltswerte auf Basis von Vergleichsportalen und Herstellerangaben (Stand: Recherche September 2026). Anbieter passen ihre Preise meist zum Start der neuen Steuersaison im Herbst an – vor dem Kauf lohnt ein Blick auf die aktuelle Preisseite des jeweiligen Anbieters.
Die Anbieter im Überblick
| Anbieter | Ab-Preis | Plattform | Nutzerführung | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| ELSTER | kostenlos | Web/App | Formular | Erfahrene, die die Begriffe kennen |
| WISO Steuer (Buhl) | ca. 36 € | Web/Desktop/App | Interview + Formular | Alle Fälle, auch komplexe (Vermietung, Kapitalanlage, Gewerbe) |
| smartsteuer | ca. 40 € | Web/App | Interview | Angestellte, Rentner, auch mit Kapitalerträgen |
| Taxfix | ca. 40 € | App-first/Web | Interview, sehr kompakt | Einfache Fälle, schnelle Erledigung |
| SteuerGo | ca. 35 € | Web | Interview + Formular | Preisbewusste mit Standardfällen |
| Lohnsteuer kompakt | ca. 35 € | Web/App | Interview | Angestellte, Rentner |
| steuerbot | ca. 35–40 € | Chat/App | Chat-Assistent | Nutzer, die lieber „unterhalten" als ausfüllen |
| Wundertax | ca. 35 € | Web | Interview | Einfache bis mittlere Fälle |
WISO Steuer (Buhl)
Der Platzhirsch im deutschen Markt und regelmäßig unter den Testsiegern bei Stiftung Warentest. WISO deckt praktisch jeden Fall ab – von der einfachen Einkommensteuererklärung bis zu Vermietung, Kapitalerträgen, Photovoltaik und nebenberuflicher Selbstständigkeit – und ist sowohl als klassische Desktop-Software (jährliche „Sparbuch"-Version) als auch online und als App erhältlich. Der Funktionsumfang hat seinen Preis: WISO ist selten das günstigste Angebot, dafür aber selten das Tool, an dessen Grenzen man stößt.
smartsteuer
Browserbasiert, ohne Installation, mit guter Belegerkennung per Foto und Unterstützung auch für Kryptowährungen – ein Nischenfall, den nicht jeder Anbieter abdeckt. Zielgruppe sind vor allem Angestellte und Rentner, auch mit Kapitalerträgen; für komplexe Selbstständigen- oder Gewerbefälle ist es weniger stark ausgelegt als WISO.
Taxfix
Der bekannteste App-first-Anbieter, bewusst auf Tempo getrimmt: Für einfache Fälle wirbt Taxfix mit einer Bearbeitungszeit von rund 20 Minuten. Das Interview ist entsprechend knapp gehalten, was für Standardfälle (ein Gehalt, Pendlerpauschale, Homeoffice) gut funktioniert, bei ungewöhnlicheren Sachverhalten aber schneller an Grenzen stößt als bei den formularnäheren Konkurrenten. Taxfix wirbt außerdem mit einer Geld-zurück-Garantie, falls das Finanzamt die Erklärung ablehnt.
SteuerGo
Eines der günstigeren Angebote im Vergleich, mit einer Live-Anzeige der erwarteten Erstattung während der Eingabe – ein kleines, aber im Alltag angenehmes Feature, weil man sofort sieht, welche Angabe sich lohnt und welche nicht. Der Funktionsumfang liegt im Mittelfeld: solide für Standardfälle, für sehr komplexe Konstellationen eher zweite Wahl.
Lohnsteuer kompakt
Speziell auf Arbeitnehmer und Rentner zugeschnitten, in Praxistests (etwa der WirtschaftsWoche) vor allem in der Browservariante positiv bewertet. Für Vermietung, Kapitalerträge in nennenswertem Umfang oder Selbstständigkeit ist es nicht die erste Wahl.
steuerbot
Führt komplett per Chat durch die Steuererklärung statt über klassische Formulare oder ein starres Interview – ungewöhnlich, aber laut mehreren Praxistests (u. a. Handelsblatt) gut umgesetzt. Wer mit Chat-Oberflächen vertraut ist, empfindet das oft als angenehmer als ein langes Formular; wer lieber alles auf einen Blick sieht, empfindet es eher als Umweg.
Wundertax
Deckt den Standardfall solide ab, schneidet in unabhängigen Tests aber tendenziell schwächer ab als die etablierteren Anbieter – die WirtschaftsWoche beschrieb es als App, die „noch aufholen" müsse, vor allem bei der Führung durch komplexere Fälle. Für sehr einfache Erklärungen reicht das trotzdem aus.
Lieber vermitteln lassen statt selbst auswählen?
Wer sich zwischen den Tools oben nicht entscheiden will oder merkt, dass keines richtig passt, hat noch zwei weitere Wege: Vergleichsportale wie Check24 leiten dich anhand weniger Angaben zu einem passenden Steuerprogramm-Partner weiter, oft mit Cashback oder Rabatt – du füllst die Erklärung dann trotzdem selbst aus, nur die Auswahl übernimmt das Portal. Wenn dir das nicht reicht, weil dein Fall zu speziell für Software ist, vermitteln Plattformen wie Zasta stattdessen an einen Steuerberater, der die Erklärung komplett für dich übernimmt – die Kosten dafür orientieren sich an der Gebührenordnung aus dem verlinkten Artikel oben.
Für wen lohnt sich welches Tool
- Angestellte mit Standardfall (ein Gehalt, Pendlerpauschale, ggf. Homeoffice): Fast jedes Tool reicht, die Entscheidung fällt eher über Preis und bevorzugte Nutzerführung – Taxfix oder steuerbot für Tempo, SteuerGo oder Lohnsteuer kompakt fürs Budget.
- Vermieter und Kapitalanleger: WISO Steuer oder smartsteuer, weil beide diese Einkunftsarten explizit und ausführlich abdecken.
- Nebenberuflich Selbstständige und Kleinunternehmer (siehe auch Kleinunternehmerregelung): WISO Steuer deckt auch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ab; bei mehreren Einkunftsarten und höherem Gewinn wird ein Steuerberater aber schnell die wirtschaftlichere Wahl.
- Rentner: Lohnsteuer kompakt oder smartsteuer sind auf diese Zielgruppe eingestellt (siehe Steuererklärung für Rentner).
- Wer schon Erfahrung hat und nur noch schnell durchklicken will: ELSTER selbst, kostenlos, wenn die eigenen Angaben von Jahr zu Jahr ähnlich bleiben.
Wann ein Steuerberater trotzdem die bessere Wahl ist
Steuersoftware ersetzt keine Beratung. Bei mehreren Einkunftsarten mit Auslandsbezug, größeren Immobilienverkäufen, Erbschaften im selben Jahr oder wenn ohnehin ein Gewerbe mit Buchführungspflicht besteht, gleicht ein Steuerberater sein Honorar oft durch gefundene Gestaltungsspielräume wieder aus. Was das konkret kostet, steht im Artikel Was kostet ein Steuerberater?.
Kurz zusammengefasst
- ELSTER ist kostenlos, bildet aber nur die amtlichen Formulare ab – ohne Interview-Führung oder inhaltliche Hinweise
- Kommerzielle Steuersoftware kostet meist zwischen 35 € und 40 € pro Steuerjahr, fällig erst bei Übermittlung ans Finanzamt
- WISO Steuer deckt den größten Funktionsumfang ab, auch für Vermietung, Kapitalerträge und nebenberufliche Selbstständigkeit
- Taxfix und steuerbot setzen auf Tempo bzw. Chat-Führung und eignen sich am besten für Standardfälle
- Bei mehreren Einkunftsarten mit Auslandsbezug oder Gewerbe wird der Steuerberater trotz höherem Preis oft zur wirtschaftlicheren Wahl