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Verkehrsteuer / Allphasen-Netto-Umsatzsteuer

Umsatzsteuer: Die ergiebigste Steuer Deutschlands

Stand: 23. August 2026
310,2 Mrd. €
Steueraufkommen 2025
31,4 %
der Gesamtsteuereinnahmen
Gemeinschaft (Bund, Länder, Gemeinden)
Ertragshoheit
Bund: 150,4 Mrd. €Länder: 151,9 Mrd. €Gemeinden: 7,9 Mrd. €

⚠ Bewusst die öffentlich kommunizierte Zahl aus der Steuerhaushalt-Statistik (Destatis-PM 17.04.2026 bzw. BMF-Monatsbericht), nicht die Summe aus dem sonst verwendeten Bericht 71511. Rekonstruktion aus 71511-07: Bund 149.845,8 + Länder 151.403,2 + Gemeindeanteil 7.879,5 + EU-MwSt-Eigenmittel 5.581,6 = 314.710,1; ohne EU-Anteil 309.128,5. Beide Abgrenzungen sind korrekt; angezeigt wird die, die Leser beim Nachschlagen finden. Aufteilung auf Bund/Länder/Gemeinden anteilig skaliert.

Die Umsatzsteuer in Deutschland

Die Umsatzsteuer — im Volksmund häufig Mehrwertsteuer genannt — ist mit 310,2 Mrd. € (2025) die ertragreichste Steuer Deutschlands überhaupt. Sie wird auf nahezu alle Lieferungen und Dienstleistungen erhoben, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt erbringt. Der Clou des Systems: Unternehmen führen die Steuer zwar ab, tragen sie aber wirtschaftlich nicht — sie wird vollständig auf den Endverbraucher überwälzt. Geregelt im Umsatzsteuergesetz (UStG) und der europäischen Mehrwertsteuersystemrichtlinie.

Welche zwei Umsatzsteuersätze gibt es?

SatzAnwendungsbereich
19 % (Regelsteuersatz)Alle Waren und Dienstleistungen, die nicht ausdrücklich ermäßigt oder befreit sind
7 % (ermäßigter Steuersatz)Lebensmittel (außer Getränke), Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Kunstgegenstände, Personennahverkehr, Hotelübernachtungen, Blumen, Tierfutter

Steuerfrei (0 %) sind u. a.: Ärztliche Leistungen, Krankenhausbehandlungen, Schul- und Hochschulunterricht, Finanzdienstleistungen (Bankgeschäfte, Versicherungen), Wohnungsvermietung, innergemeinschaftliche Lieferungen (Export in EU-Länder).

Das Allphasen-Netto-System: Wie Mehrwertsteuer wirklich funktioniert

Die Umsatzsteuer ist keine einfache Endverbrauchersteuer — sie wird auf jeder Wirtschaftsstufe erhoben, aber durch den Vorsteuerabzug neutralisiert:

  1. Rohstofflieferant verkauft für 100 € netto + 19 € USt → führt 19 € ab
  2. Hersteller kauft für 119 € (zieht 19 € Vorsteuer ab), verkauft für 200 € netto + 38 € USt → führt 19 € ab (38 − 19)
  3. Händler kauft für 238 €, verkauft für 300 € netto + 57 € USt → führt 19 € ab (57 − 38)
  4. Endverbraucher zahlt 357 € → trägt die vollen 57 € USt wirtschaftlich

Nur der Endverbraucher kann keine Vorsteuer abziehen — er trägt die gesamte Steuer.

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7 % gilt u.a. für Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, ÖPNV, Hotelübernachtungen.

€
Nettobetrag (ohne USt)100,00 €
Umsatzsteuer (19 %)= 15,97 % des Bruttopreises19,00 €
Bruttobetrag (inkl. USt)119,00 €

Formel:

USt im Bruttopreis = Brutto × 19 ÷ 119

Netto aus Brutto = Brutto ÷ 1,19 (oder × 100 ÷ 119)

Wer gilt als Kleinunternehmer nach § 19 UStG?

Wer im Vorjahr weniger als 25.000 € Umsatz erzielt hat und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 100.000 € bleibt, kann die Kleinunternehmerregelung wählen (§ 19 UStG):

  • Keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen
  • Keine USt-Voranmeldungen
  • Aber: Kein Vorsteuerabzug möglich

Die Grenzen wurden durch das Jahressteuergesetz 2024 (ab 1.1.2025) angehoben: vorher 22.000 € / 50.000 €. Ab 2025 gilt zudem ein EU-weites Kleinunternehmer-Regime (Richtlinie 2020/285/EU): Kleinunternehmer können sich in anderen EU-Ländern von der dortigen Umsatzsteuer befreien lassen, solange der EU-weite Umsatz 100.000 € nicht übersteigt.

Steuerschuldumkehr – Reverse Charge (§ 13b UStG)

Bei bestimmten Umsätzen schuldet nicht der leistende Unternehmer, sondern der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer. Das gilt z. B. bei:

  • Bauleistungen zwischen Bauunternehmern
  • Lieferungen von Strom, Gas, Wärme
  • Leistungen ausländischer Unternehmer an inländische Unternehmer
  • Lieferungen von Mobiltelefonen, Tablets, Spielekonsolen (ab 5.000 €)

Der Empfänger muss die Steuer in seiner Voranmeldung ausweisen — und kann sie gleichzeitig als Vorsteuer wieder abziehen (Nullsumme, sofern er vollständig vorsteuerabzugsberechtigt ist). Der Sinn: Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs (Karussellgeschäfte).

Wohin fließt das Geld?

Die Umsatzsteuer ist eine Gemeinschaftsteuer — das Aufkommen wird nach einem jährlich durch Bundesgesetz festgelegten Schlüssel aufgeteilt:

EmpfängerAnteil 2025
Bundca. 53,4 %
Länderca. 44,6 %
Gemeindenca. 2,0 %
EU~35 Mrd. € Eigenmittel (aus dem Bundesanteil)

Rechtsgrundlage: § 1 Finanzausgleichsgesetz, Stand 2025.

Das Aufkommen 2025 betrug 310,2 Mrd. €. Destatis und BMF weisen die Einfuhrumsatzsteuer nicht getrennt aus — sie ist in dieser Zahl enthalten.

EU-Kontext: Die Mutter aller Mehrwertsteuern

Die deutsche Umsatzsteuer basiert auf der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie (MwStSystRL, 2006/112/EG). Alle EU-Staaten sind verpflichtet, ein Mehrwertsteuersystem nach diesem Schema zu betreiben. Der Normalsteuersatz muss mindestens 15 % betragen; ermäßigte Sätze sind für definierte Kategorien erlaubt. Innerhalb der EU ist der grenzüberschreitende Warenaustausch zwischen Unternehmen grundsätzlich umsatzsteuerfrei (innergemeinschaftliche Lieferung / Erwerb).

Warum wird die Umsatzsteuer als unsichtbare Steuer bezeichnet?

Die Umsatzsteuer ist für Verbraucher weitgehend unsichtbar — sie ist im ausgewiesenen Preis enthalten (Bruttopreis). Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt schätzungsweise 3.500–5.000 €/Jahr an Umsatzsteuer, je nach Konsumverhalten und Einkommensniveau. Damit ist sie für viele Haushalte die größte Einzelsteuerbelastung — größer als die Einkommensteuer.

Geschichte und Politische Debatten

Deutschland führte die Mehrwertsteuer 1968 ein (ablösend die frühere Allphasenumsatzsteuer mit Kumulationseffekten). Der Regelsatz betrug zunächst 10 %, wurde schrittweise auf 14 % (1983), 16 % (1998), dann 19 % (2007) erhöht. Während der Corona-Pandemie wurde der Satz von Juli bis Dezember 2020 auf 16 %/5 % gesenkt — eine der größten Steuersenkungen in der deutschen Geschichte, mit fraglicher Wirkung auf den Konsum.

Politisch umstritten ist die Ungleichbehandlung: Tiernahrung wird mit 7 % besteuert, Damenhygieneprodukte erst seit 2020 (von 19 % auf 7 % gesenkt, sog. „Tampon-Steuer"-Debatte). Cut Flowers (Schnittblumen) sind mit 7 % begünstigt, Mineralwasser aber mit 19 %.

❓Häufige Fragen

Warum ist die Umsatzsteuer die größte Einzelsteuer Deutschlands?▾

Die Umsatzsteuer ist eine allgemeine Verbrauchsteuer auf die Lieferung von Waren und die Erbringung von Dienstleistungen in Deutschland. Mit einem Aufkommen von 310,2 Mrd. € (2025, einschließlich Einfuhrumsatzsteuer) ist sie die größte Einzelsteuer Deutschlands.

Was ist der Unterschied zwischen dem 7 %- und dem 19 %-Steuersatz?▾

Der Regelsteuersatz beträgt 19 % und gilt für die meisten Waren und Dienstleistungen. Der ermäßigte Satz von 7 % gilt für Grundnahrungsmittel, Bücher, Zeitungen, ÖPNV-Tickets und bestimmte Kulturgüter (§ 12 UStG).

Ist die Mehrwertsteuer im Preis enthalten?▾

Ja. Im Einzelhandel an Endverbraucher (B2C) sind die ausgewiesenen Preise Bruttopreise inklusive Mehrwertsteuer. Bei einem Produkt für 11,90 € sind bei 19 % Steuersatz rund 1,90 € Umsatzsteuer enthalten (Formel: Brutto × 19 / 119).

Welchen Anteil der Umsatzsteuer bekommen Bund, Länder und Gemeinden?▾

Die Umsatzsteuer ist eine Gemeinschaftsteuer: Der Bund erhält ca. 53,4 %, die Länder ca. 44,6 % und die Gemeinden ca. 2 % des Aufkommens. Die genaue Aufteilung wird regelmäßig durch Bundesgesetz angepasst.

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