Die Alkopopsteuer in Deutschland
Die Alkopopsteuer ist eine Sonderverbrauchsteuer auf alkoholhaltige Süßgetränke ("Alcopops"), die im Jahr 2004 eingeführt wurde — als direkte Reaktion auf den als besorgniserregend eingestuften Alkoholkonsum unter Jugendlichen. Zuckerhaltige Mixgetränke wie Bacardi Breezer, Smirnoff Ice oder Mike's Hard Lemonade sollten durch eine erhebliche Steuererhöhung für Jugendliche unerschwinglich gemacht werden.
Was ist ein "Alkopop"?
Steuerrechtlich sind Alkopops spirituosenbasierte Mischgetränke mit:
- Einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 % vol
- Einem Zuckergehalt oder anderen süßenden Zutaten
- Üblicherweise in Portionsflaschen (275–330 ml)
Biermixgetränke (Radler, Shandy) und Weinmixgetränke sind nicht von der Alkopopsteuer erfasst — sie unterliegen der Biersteuer bzw. sind weinsteuerfrei.
Steuersatz
| Steuerart | Satz |
|---|---|
| Alkoholsteuer (Basis) | 13,03 € / Liter reiner Alkohol |
| Alkopopsteuer (Zuschlag) | 55,50 € / Liter reiner Alkohol |
| Gesamtbelastung | 68,53 € / Liter reiner Alkohol |
Beispiel: Flasche Alcopop (330 ml, 5 % vol Alkohol):
- Reiner Alkohol: 0,33 L × 5 % = 0,0165 L
- Alkoholsteuer: 0,0165 × 13,03 = 0,21 €
- Alkopopsteuer: 0,0165 × 55,50 = 0,92 €
- Gesamtsteuer: 1,13 € pro Flasche
Wirkung: Mission erfüllt?
Die Alkopopsteuer gilt als eines der erfolgreicheren Beispiele für Lenkungssteuern in Deutschland. Der Konsum von Alcopops unter Jugendlichen brach nach 2004 um rund 80 % ein. Allerdings wichen viele Jugendliche auf billigeren Alkohol aus — Bier, Billigwein und selbst angemixte Getränke. Das Gesamtkonsumniveau sank weniger deutlich.
Das Steueraufkommen ist entsprechend minimal: Die Hersteller haben das Segment weitgehend umgestaltet (bierbasis statt Spirituosenbasis) oder Preiserhöhungen minimiert.
Geschichte und politischer Kontext
Die Alkopopsteuer wurde nach einer öffentlichen Debatte über "Flatrate-Partys" und "Komasaufen" unter Jugendlichen im Jahr 2004 eingeführt. Die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt trieb die Regelung voran. Kritiker bemängelten von Anfang an, dass die Steuer an der Droge vorbeiziele — Bier blieb günstig und unreguliert.
Heute ist die Alkopopsteuer weitgehend bedeutungslos: Der Markt für klassische spirituosenbasierte Alcopops ist in Deutschland marginal.